Jeder Mensch hat eine eigene Persönlichkeit. Ein typisches Muster, wie er denkt, fühlt, mit Stress umgeht und sich in Beziehungen verhält. Diese Muster entwickeln sich im Laufe des Lebens, geprägt von Veranlagung, frühen Bindungserfahrungen, bedeutsamen Erlebnissen und der Umwelt.
Persönlichkeitsmerkmale werden in der Psychologie oft auf einem „Spektrum" oder einer Skala beschrieben. Die bekannten Big Five zum Beispiel umfassen Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und emotionale Stabilität. Jeder Mensch bewegt sich auf jeder dieser Dimensionen irgendwo zwischen zwei entgegengesetzten Polen. Wenn bestimmte Muster aber sehr ausgeprägt, starr und über lange Zeit hinweg leidvoll werden, entweder für die Person selbst oder für ihr Umfeld, spricht die Fachwelt von einer Persönlichkeitsstörung. Dazu gehören (laut ICD-10):
Paranoide, schizoide und schizotype Persönlichkeitsstörung
Antisoziale Persönlichkeitsstörung
Borderline-Persönlichkeitsstörung
Histrionische Persönlichkeitsstörung
Narzisstische Persönlichkeitsstörung
Ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung
Abhängige Persönlichkeitsstörung
Zwanghafte Persönlichkeitsstörung
Die neueste Klassifikation der Krankheiten (ICD-11), die allerdings noch nicht flächendeckend eingeführt wurde, versteht die Persönlichkeitsstörungen nicht mehr als feste Schubladen, sondern als unterschiedliche Ausprägung entlang verschiedener Persönlichkeitsdimensionen.
Persönlichkeitsmerkmale und Beziehungen
In Beziehungen werden Persönlichkeitsmerkmale besonders sichtbar: Nähe und Autonomie müssen ausbalanciert werden, Konflikte ausgehalten, Verletzlichkeit gezeigt, Vertrauen gewagt. Wer zum Beispiel emotional reagiert, wird in Konflikten schnell von Gefühlen überflutet. Wer von seiner Persönlichkeit her eher zu Rückzug neigt, geht bei Konflikten eher auf Distanz, als dass er Probleme ausdiskutiert. Wer unsicher ist, kaschiert dies eventuell durch ein Kontrollbedürfnis. Empathische Menschen übersehen schon mal schnell ihre eigenen inneren Grenzen, und werden dann aber unzufrieden.
Solche Muster können das Miteinander dauerhaft belasten. Der betroffene Mensch leidet oft selbst unter inneren Konflikten, intensiven Emotionen oder Beziehungsängsten. Der Partner wiederum kann sich verwirrt, erschöpft oder hilflos fühlen, weil typische Konfliktlösungen nicht greifen. Was in solchen Fällen hilft: Wissen, Selbstreflexion, klare Kommunikation, klare Grenzen und oft auch professionelle Begleitung. Persönlichkeitsmuster lassen sich nicht wegtherapieren, aber man kann lernen, mit ihnen besser umzugehen. So können sich auch tief eingeschliffene Muster verändern.